Kennst du das? Du hast gerade erst gegessen, bist eigentlich satt und trotzdem zieht es dich
kurze Zeit später wieder in die Küche.
Vielleicht ist es etwas Süßes nach dem Mittagessen. Vielleicht der Snack am Abend auf der Couch.
Oder du stehst vor dem Kühlschrank und weißt selbst nicht so richtig, wonach du eigentlich suchst.
Und dann kommt dieser Gedanke: Warum esse ich jetzt schon wieder?
Dabei ist die Antwort oft viel weniger kompliziert, als wir denken.
Denn Essen hat nicht nur etwas mit körperlichem Hunger zu tun.
Und das ist erst einmal völlig normal.
Essen ist so viel mehr als Energie
Wir essen, weil wir Hunger haben. Klar.
Aber wir essen auch, weil etwas unglaublich gut schmeckt. Weil wir gemeinsam am Tisch sitzen.
Weil ein bestimmtes Gericht Erinnerungen weckt. Oder weil uns eine warme Mahlzeit nach
einem anstrengenden Tag einfach guttut.
Essen ist Genuss, Kultur, Verbindung und manchmal auch Trost.
Und genau deshalb finde ich es so wichtig, dass wir aufhören, jedes Essen ohne körperlichen Hunger
automatisch als Problem zu betrachten.
Du darfst ein Stück Kuchen essen, einfach weil du Lust darauf hast.
Du musst dir nicht jedes Lebensmittel erst durch Hunger, Sport oder irgendeine andere Leistung verdienen.
Spannend wird es erst dann, wenn du merkst, dass du immer wieder zum Essen greifst,
obwohl du eigentlich etwas ganz anderes brauchst.
Körperlicher Hunger oder emotionaler Hunger?
Körperlicher Hunger entwickelt sich häufig nach und nach. Vielleicht knurrt dein Magen,
du merkst, dass deine Energie nachlässt, oder du kannst dich schlechter konzentrieren.
Emotionaler Hunger kann sich dagegen manchmal ziemlich plötzlich bemerkbar machen.
Du hattest einen stressigen Tag, bist genervt, traurig oder einfach völlig erschöpft.
Und plötzlich hast du dieses starke Bedürfnis nach etwas Bestimmtem.
Vielleicht Schokolade. Vielleicht etwas Knusprigem.
Vielleicht genau dem Essen, das sich für dich nach Geborgenheit anfühlt.
Das bedeutet nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt.
Unser Gehirn verknüpft Essen mit Erfahrungen, Gefühlen und Belohnung. Wenn wir gelernt haben, dass uns
ein bestimmtes Lebensmittel kurzfristig beruhigt oder ablenkt, ist es nachvollziehbar, dass wir in ähnlichen Situationen wieder danach greifen. Und manchmal ist es auch einfach Gewohnheit.
Warum wir manchmal essen, ohne hungrig zu sein
- 1. Stress und innere Anspannung
Wenn unser Alltag ständig auf Hochtouren läuft, suchen wir oft unbewusst nach kleinen Momenten der Entspannung. Essen kann sich dann wie eine kurze Pause anfühlen.Das Problem ist nicht unbedingt der
Snack selbst. Sondern dass wir uns vielleicht schon den ganzen Tag keine echte Pause erlaubt haben. - 2. Gewohnheiten, die automatisch ablaufen
Der süße Abschluss nach dem Mittagessen. Der Snack vor dem Fernseher. Das Naschen beim Kochen. Manche Dinge machen wir so regelmäßig, dass wir kaum noch bewusst darüber nachdenken.
Unser Gehirn liebt Routinen. Und deshalb kann schon eine bestimmte Uhrzeit oder Situation
das Bedürfnis nach Essen auslösen. - 3. Zu wenig essen über den Tag
Ein Punkt, der meiner Meinung nach oft unterschätzt wird. Wenn du morgens kaum frühstückst, mittags
nur einen kleinen Salat isst und den ganzen Tag versuchst, möglichst wenig zu essen, ist es nicht überraschend, wenn du abends plötzlich großen Hunger oder starken Appetit entwickelst. Nicht jedes vermeintlich emotionale Essen ist tatsächlich emotional. Manchmal braucht dein Körper schlicht mehr Energie. - 4. Gefühle, für die gerade kein Platz ist
Langeweile, Einsamkeit, Überforderung oder Traurigkeit können unangenehm sein. Und manchmal greifen
wir lieber zu etwas Essbarem, als uns mit dem auseinanderzusetzen, was gerade in uns passiert.
Nicht, weil wir schwach sind. Sondern weil Essen kurzfristig eine vertraute Möglichkeit sein kann,
mit diesen Gefühlen umzugehen.
Was du stattdessen tun kannst:
Ich bin kein Fan davon, einfach die nächste Regel aufzustellen.
Iss nur, wenn du Hunger hast.
Denn damit machen wir aus etwas völlig Natürlichem direkt wieder eine Aufgabe, die wir möglichst
perfekt erfüllen sollen.
Viel hilfreicher finde ich es, neugierig zu werden.
Wenn du das nächste Mal merkst, dass du essen möchtest, obwohl du gerade
keinen körperlichen Hunger wahrnimmst, könntest du dich fragen:
Was brauche ich gerade wirklich?
Vielleicht brauchst du etwas zu essen. Vielleicht hast du einfach Lust auf den Geschmack.
Vielleicht brauchst du aber auch eine Pause, ein Gespräch, etwas frische Luft oder einen Moment,
in dem niemand etwas von dir möchte.
Du musst nicht jedes Mal die perfekte Antwort finden.
Allein das bewusste Wahrnehmen kann schon etwas verändern.
Welches Essmuster spielt bei dir gerade
die größte Rolle?
Vielleicht hast du dich beim Lesen an der einen oder anderen Stelle wiedererkannt.
Vielleicht greifst du besonders dann zum Essen, wenn du gestresst bist. Vielleicht sind es bestimmte Gewohnheiten, die sich über die Jahre eingeschlichen haben. Oder du merkst, dass du manchmal gar nicht so genau weißt, was dein Körper gerade braucht.
Und genau hier kann es spannend werden, einmal genauer hinzuschauen.
Dafür habe ich meinen Hungertypentest entwickelt.
Er hilft dir dabei, herauszufinden, welche Muster dein Essverhalten aktuell besonders beeinflussen könnten und in welchen Situationen du möglicherweise eher aus Gewohnheit, Emotionen oder anderen Bedürfnissen heraus isst.
Natürlich lässt sich unser Essverhalten nicht einfach in eine einzige Schublade stecken. Wir sind keine festen Hungertypen, und je nach Lebensphase, Alltag und Gefühlslage können ganz unterschiedliche Muster eine Rolle spielen.
Aber manchmal ist es schon unglaublich wertvoll, die eigenen Gewohnheiten überhaupt erst zu erkennen. Denn erst wenn wir verstehen, warum wir etwas tun, können wir bewusster entscheiden, wie wir damit umgehen möchten.
Neugierig, welche Essmuster bei dir gerade besonders präsent sind?
Der Test dient deiner persönlichen Selbstreflexion und ist keine medizinische oder psychologische Diagnose.
Und wenn du trotzdem essen möchtest?
Dann iss. Wirklich.
Du musst nicht jedes Bedürfnis analysieren oder dir Essen ausreden.
Es geht nicht darum, emotionales Essen vollständig aus deinem Leben zu verbannen. Sondern darum, mehr Möglichkeiten zu entwickeln, mit deinen Bedürfnissen umzugehen.
Vielleicht genießt du dein Stück Schokolade ganz bewusst. Vielleicht merkst du aber auch, dass dir ein Spaziergang, ein paar tiefe Atemzüge oder ein Gespräch gerade mehr geben würden.
Beides darf sein.
Zurück zu mehr Vertrauen
Ich glaube, wir haben uns durch all die Ernährungsregeln, Diäten und gut gemeinten Tipps teilweise ziemlich weit von unserem eigenen Körper entfernt.
Wir wissen, wie viele Kalorien ein Lebensmittel hat, aber manchmal nicht mehr, ob wir eigentlich satt sind. Wir kennen die neuesten Ernährungstrends, aber haben verlernt, auf unsere eigenen Bedürfnisse zu hören. Dabei muss gesunde Ernährung nicht bedeuten, ständig alles richtig zu machen. Vielleicht beginnt sie manchmal einfach damit, wieder zuzuhören.
Dem Körper. Den eigenen Gefühlen. Und dem, was wir gerade wirklich brauchen.
Denn Essen darf nähren, Freude machen und sich gut anfühlen, ohne dass wir daraus ständig eine Wissenschaft machen müssen.
Alles Liebe
Sophia 🤎

